Die Wurzeln des aktuellen Krieges der USA und Israels gegen den Iran reichen 73 Jahre zurück, bis zu dem von der CIA inszenierten Staatsstreich, der 1953 den demokratisch gewählten iranischen Premierminister Mohammad Mossadegh stürzte, nachdem dieser die Anglo-Iranian Company verstaatlicht hatte. Washington setzte den Schah, Mohammad Reza Pahlavi, der aus dem Land geflohen war, wieder ein und unterstrich damit seine Rolle als absoluter Monarch. Unter der brutalen Diktatur des Schahs fungierte der Iran als subimperiale Macht in Westasien und bildete einen entscheidenden Teil des US-Imperiums. In diesen Jahren unterstützte Washington ein ehrgeiziges Atomprogramm im Iran. Ende 1978 begannen massive Proteste gegen das Regime des Schahs, die 1979 in der von Ayatollah Ruhollah Khomeini angeführten Islamischen Revolution gipfelten, durch die der Schah gestürzt und das Land von der US-Herrschaft befreit wurde. Während der Revolte drangen Studenten in die US-Botschaft ein, nahmen über fünfzig US-Bürger als Geiseln und lösten damit eine gescheiterte militärische Intervention der USA zur Befreiung der Geiseln aus. 1984 erklärte die Reagan-Regierung den Iran zum »Terror unterstützenden Staat« und verhängte Wirtschaftssanktionen. Washington unterstützte Saddam Hussein im Irak-Iran-Krieg (1980–1988). Zugleich versorgte es den Iran im Laufe des Krieges heimlich mit Waffen, was als Iran-Contra-Skandal bekannt wurde.
Nach dem Golfkrieg 1990–1991 gegen den Irak und dem damaligen Niedergang der Sowjetmacht, auf den bald der Zusammenbruch der UdSSR selbst folgte, erlebte Washington einen »unipolaren Moment«, in dem es danach strebte, die gesamte Welt zu beherrschen. Der stellvertretende Verteidigungsminister für Politik, Paul Wolfowitz, erklärte damals gegenüber General Wesley Clark Jr., dass Washington ein Jahrzehnt Zeit habe, um in Westasien und anderswo einen Regimewechsel herbeizuführen – nachdem die Sowjetunion auf der Weltbühne ein Vakuum hinterlassen hatte und bevor neue globale Mächte aufstiegen. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde Clark von einem General im Pentagon darüber informiert, dass die Vereinigten Staaten beschlossen hätten, »sieben Nationen in fünf Jahren auszuschalten, beginnend mit dem Irak, gefolgt von Syrien, dem Libanon, Libyen, Somalia und dem Sudan, und endend mit dem Iran«. Im Jahr 2001 erklärte George W. Bush, der Iran sei neben dem Irak und Nordkorea Teil der »Achse des Bösen«. Obwohl der Iran Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrags war, stufte Washington seine vom Schah geerbte Atomindustrie als potenzielle Bedrohung durch Atomwaffen ein und nutzte dies als Rechtfertigung für Zwangsmaßnahmen gegen das Land. Von 2013 bis 2015 führte Washington unter Barack Obama umfangreiche hochrangige Gespräche mit Teheran, an denen auch alle fünf Supermächte sowie Deutschland teilnahmen, und gelangte zu einer Vereinbarung, bekannt als »Joint Comprehensive Plan of Action« (JCPOA), die Irans nukleare Entwicklung im Austausch für die Lockerung der Wirtschaftssanktionen einschränkte. Das Abkommen begrenzte die Anreicherung des Irans für fünfzehn Jahre auf 3,67 Prozent, weit unter dem für Atomwaffen erforderlichen Anreicherungsgrad. Im Jahr 2018 zogen sich die Vereinigten Staaten unter Donald Trump einseitig aus dem Abkommen zurück und verhängten erneut Sanktionen gegen den Iran. Im Jahr 2020 töteten die Vereinigten Staaten den iranischen General Qasem Soleimani, den Chef der Quds-Elite-einheit der Islamischen Revolutionsgarden. Im Jahr 2023 erklärte sich die Regierung von Joe Biden bereit, 6 Milliarden der seit 2018 weltweit von den Vereinigten Staaten eingefrorenen iranischen Vermögenswerte in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar freizugeben, im Gegenzug für die Freilassung von fünf im Iran inhaftierten US-Bürgern. Der Iran ließ die Gefangenen frei. Washington hielt sich jedoch nicht an seine Seite der Vereinbarung.
Zu Beginn der zweiten Amtszeit der Trump-Regierung kam es bei den Anhörungen im US-Senat zur Bestätigung von Trumps Unterstaatssekretär für Politik, Elbridge A. Colby, zu einer Kontroverse, in der mit Israel verbundene neokonservative Senatoren seine wenig restriktive Haltung gegenüber dem Iran und seine Betonung einer direkten Konfrontation mit China im Sinne des Neuen Kalten Krieges gegen China kritisierten. Trumps Zollkrieg richtete sich insbesondere gegen China, wobei die gegen Peking gerichteten Zölle im Jahr 2025 zeitweise auf 145 Prozent angehoben wurden. Washington sah sich jedoch im November 2025 zum Einlenken gezwungen, als Peking mit strengen Exportkontrollen für Seltene Erden reagierte, die die Existenzfähigkeit des gesamten High-tech-Sektors in den Vereinigten Staaten bedrohten. Washington verlagerte daher seinen unmittelbaren strategischen Schwerpunkt vom Indopazifik nach Westasien und Lateinamerika und betrachtete dies als Teil seines allgemeinen Neuen Kalten Krieges gegen China. Dies umfasste nicht nur die Unterstützung für die totale Besetzung Palästinas durch Israel, dessen Kriege gegen Syrien und den Libanon sowie dessen Kriegsziele gegen den Iran, sondern auch Washingtons direkte militärische Einmarschaktionen in Lateinamerika und der Karibik, einschließlich der militärischen Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro am 3. Januar 2026.
Bereits im Juni 2025, mitten in den Verhandlungen mit Teheran, hatten die Vereinigten Staaten und Israel einen zwölftägigen Krieg gegen den Iran begonnen. Dieser umfasste auch US-Raketenangriffe auf drei wichtige Nuklearanlagen. Im Februar 2026 nah-men die Vereinigten Staaten und der Iran in Genf unter Vermittlung Omans Atomgespräche auf. Am 27. Februar gab der Außenminister Omans bekannt, dass der Iran als Ergebnis der Gespräche zugestimmt habe, seine Bestände an Nuklearmaterial auf »das niedrigstmögliche Niveau« zu reduzieren, das mit einer kommerziellen Kernenergieindustrie vereinbar sei. Sowohl Washington als auch Teheran äußerten sich optimistisch über den Verlauf der Gespräche. Einen Tag später starteten die Vereinigten Staaten und Israel überraschende, KI-gestützte Angriffe auf den Iran, die Trump später mit dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor verglich. Dabei wurde der Oberste Führer Ali Khamenei ermordet. Innerhalb von 24 Stunden wurden tausend Ziele getroffen, darunter die Minab-Schule im Iran, wobei mindestens 150 Schülerinnen getötet wurden.
Der Krieg gegen den Iran im Jahr 2026 wird von den Vereinigten Staa-ten mit einem offiziellen Militärbud-get pro Jahr von 1 Billion Dollar und von Israel mit einem Militärbudget von 47 Milliarden Dollar gegen ein Land geführt, dessen Militärbudget bei 13 Milliarden Dollar pro Jahr liegt. Die Strategie der USA und Israels ging von einem schnellen Sieg und einem Regimewechsel durch die Ausschaltung der politischen und militärischen Führung des Iran aus. Washington unterschätzte jedoch die Geschlossenheit des iranischen Staates: Ein neuer Oberster Führer wurde rasch ernannt, wodurch die politische Kontinuität gewährleistet wurde. Neue Militärführer traten an die Stelle der Ermordeten. Darüber hinaus war die militärische Struktur des Iran dezentralisiert worden und verfügt über eine lange im Voraus ausgearbeitete Verteidigungsstrategie. Die konventionellen militärischen Ressourcen des Iran wurden weitgehend dezimiert, während die Hauptlast des Krieges auf seiner Seite vor allem vom Korps der Islamischen Revolutionsgarden getragen wird, das auf asymmetrische Kriegsführung spezialisiert und speziell darauf vorbereitet ist, das Land gegen die Vereinigten Staaten zu verteidigen. Der Iran führte von Beginn an massive Angriffe auf die Radaranlagen der THAAD-Systeme (Terminal High Altitude Area Defense) in US-Stützpunkten in der gesamten Region durch und beeinträchtigte damit die Raketenabwehrsysteme erheblich, auf die sich die US-Streitkräfte und das israelische Militär verließen. Das führte dazu, dass die iranischen Raketenangriffe weitaus effektiver waren, als von den Angreifern erwartet. Der Iran war zudem in der Lage, US-Militärstützpunkte zu schwächen und den Rückzug von US-Flugzeugträgern zu erzwingen.
Während des Irak-Iran-Kriegs erwarb der Iran einige Scud-Raketen aus Libyen und Nordkorea, die er anschließend technisch überarbeitete. Mittlerweile verfügt er über eine Vielzahl von Raketen unterschiedlicher Reichweite. Sie werden in unterirdischen Tunneln gelagert und von mobilen Abschussrampen aus abgefeuert. Darüber hinaus setzt der Iran in hohem Maße auf kostengünstige Drohnen. Seine preiswerten Shahed-Drohnen können von der Ladefläche eines handelsüblichen Lastwagens aus gestartet werden. Das US-Militär setzt unterdessen bei dem Versuch, diese Drohnen abzuschießen, Munition ein, die bis zu einer Million Dollar pro Schuss kosten kann. Obwohl die Vereinigten Staaten und Israel die Luftüberlegenheit haben, wurden bereits mehrere US-Kampfflugzeuge abgeschossen. Die iranische Hauptmarine wurde zerstört. Die Revolutionsgarden betreiben jedoch eine »Mückenflotte«, bestehend aus Hunderten von bewaffneten Schnellbooten, die äußerst flexibel und schwer aufzuspüren sind und in Schwärmen gegen größere Schiffe vorgehen können. Sie verfügen zudem über Dutzende von Kleinst-U-Booten und setzen Tausende von Seeminen ein. All dies bedeutet, dass die strategisch wichtige Straße von Hormus weiterhin unter iranischer Kontrolle bleibt.
Die Fähigkeit des Iran, die Straße von Hormus zu sperren, durch die über 20 Prozent des weltweiten Ölhandels fließen, war seine wirksamste Waffe in diesem Krieg, da sie die US-und die Weltwirtschaft bedroht, wenn die Ölvorräte schrumpfen und die Preise steigen. Der Iran hat während des Krieges seinen eigenen Öltankern sowie denen einiger anderer Länder, die nicht mit dem Westen verbündet sind, die Durchfahrt durch die Meerenge gestattet und seinen Handel mit China fortgesetzt. Um Druck auf den Iran auszuüben, errichteten die Vereinigten Staaten daher mitten in einem zehntägigen Waffenstillstand, in dessen Verlauf der Iran die Meerenge geöffnet hatte, eine Seeblockade vor iranischen Häfen, um den Iran am Verkauf seines Öls zu hindern. Daraufhin sperrte der Iran die Meerenge erneut. Diese Eskalation seitens Washingtons wird zwangsläufig zu einer Gegeneskalation seitens Teherans führen.
Die Vereinigten Staaten haben sich, von Israel verleitet, in einen imperialistischen Krieg verstrickt, den sie nicht gewinnen können. Zwei Drittel der US-Bevölkerung lehnen den Krieg ab. Abgesehen von Rüstungsunternehmen und Ölkonzernen steht die US-Wirtschaft dem Krieg mehrheitlich ablehnend gegenüber und nimmt höchstens eine abwartende Haltung ein. Es besteht kein Zweifel daran, dass der Iran den Vereinigten Staaten und Israel auf der Weltbühne eine strategische Niederlage zugefügt hat und damit eine wirkungsvolle Abschreckung zur Verteidigung seiner Souveränität bietet. Eine Fortsetzung des Krieges wird verheerende wirtschaftliche Folgen nicht nur für die Vereinigten Staaten, Israel und den Iran, sondern für die ganze Welt haben und könnte möglicherweise einen größeren Weltkrieg auslösen. Dennoch deutet alles darauf hin, dass die Vereinigten Staaten in einen »ewigen Krieg« verwickelt sind. Eine internationale Friedensbewegung, die einen globalen Kampf gegen den Imperialismus umfasst, ist daher wichtiger denn je.
(Abschluss 21. April 2026; dieser Kommentar erscheint zugleich in »Monthly Review«. Überset-zung: Redaktion)